Jetzt muss wegen der Hitze auch die Schweiz Wasser sparen

von Marketing (Kommentare: 0)

Die Schweiz schwitzt. Mitte Juni und es gibt Temperaturen von über 30 Grad, und das mehrere Tage hintereinander. Dazu rollt eine Hitzewalze von Südeuropa in Richtung der Schweiz. Am kommenden Wochenende werden Temperaturen über 30 Grad erwartet, am Sonntag vereinzelt sogar bis zu 35 Grad.

Das alles bekommen auch unsere Seen und Flüsse zu spüren. Obwohl der Grundwasserspiegel in den meisten Teilen der Schweiz im normalen Bereich liegt, zurückzuführen auf den nassen Sommer im vergangenen Jahr, spricht der Hydrologe Massimiliano Zappa nicht von einer entspannten Situation. Gegenüber dem SRF sagt er: «Das Wort ‹gut› ist übertrieben, weil es bei den grossen Gewässern überall ein Defizit gibt.»

Die Gewässer in der Schweiz führen weniger Wasser als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Dies hat auch mit dem trockenen Winter zu tun. Es schmilzt nicht so viel Schnee wie üblich. Erste Kantone haben darum bereits Vorsorgemassnahmen getroffen. Wie SRF schreibt, dürfen beispielsweise Gärtnereien und Landwirtschaftsbetriebe im Kanton Aargau ab sofort kein Wasser aus bestimmten Gewässern entnehmen. Im Tessin wird die Bevölkerung gar per Plakat dazu aufgefordert, so wenig Wasser wie möglich zu verbrauchen. Und dies seit Wochen.

«In der Schweiz muss ein Umdenken stattfinden»

Massimiliano Zappa, Fachmann von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft: «Nein, Wassersparen ist kein Volkssport in der Schweiz.» Trotzdem sei es ein sehr effizientes Mittel gegen die Trockenheit. Längerfristig müsse die Schweizer Bevölkerung aber umdenken, wie das bereits in anderen Ländern der Standard sei, so Zappa weiter. «Die Menschen in Spanien oder Süditalien zum Beispiel können mit wenig Wasser umgehen, weil sie auch dazu erzogen wurden, mit weniger Wasser ihren täglichen Bedarf zu erfüllen.»

Die Datenanalyse, die Zappa seit Jahren betreibt, zeigt, dass auch die Schweiz nicht ums Wassersparen herum kommt. Die Aufzeichnungen zeigen nämlich, dass es auch bei uns nicht nur heisser, sondern auch trockener werden wird. Das an das Tessin grenzende Norditalien kämpft zurzeit mit einer Dürre, die es so seit über 70 Jahren nicht mehr erlebte. Der Pegel des Flusses Po ist auf ein Rekordtief gesunken, nun fordern mehrere lokale Unternehmen, dass die nächtliche Trinkwasserversorgung in 125 Gemeinden der Poebene eingestellt wird. Der Antrag für Sofortmassnahmen zeigt, wie ernst die Lage ist, denn bald könnte es nicht genügend Wasser für die Kühlsysteme der Kraftwerke geben. 

Hitzewelle erfasst grosse Teile Europas

Die Menschen in Frankreich und Spanien stöhnen weiter unter einer für die jetzige Jahreszeit ungewöhnlichen Hitzewelle. Der Wetterdienst Météo France rief für Donnerstag in 23 der 101 Départements die Alarmstufe Orange aus. Es handelt sich um die früheste Hitzeperiode in einem Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Frankreich. In Spanien gerieten infolge der Hitze mehrere Waldgebiete in Brand.

Auch in der Schweiz besteht in einigen Kantonen erhebliche Waldbrandgefahr, wie eine Karte von Naturgefahren.ch zeigt (siehe Grafik Bildstrecke). Betroffen ist vor allem die westliche Schweiz von Basel über Neuchâtel bis ins Wallis.

Auch Teile des Tessins sind betroffen. In diesen Gebieten herrscht die Gefahrenstufe 3 (erhebliche Gefahr). 

In Frankreich werden Temperaturen von über 40 Grad erwartet

Frankreich leidet bereits seit Dienstag unter der aus Nordafrika kommenden Hitzewelle. Am Mittwoch wurden im Süden des Landes bereits Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad gemessen. Für Donnerstag wurden Temperaturen bis zu 39 Grad erwartet, am Samstag sollen es über 40 Grad werden.

Die hohen Temperaturen verschlimmern die Trockenheit der Böden, die den Landwirten nach einem niederschlagsarmen Winter und Frühjahr bereits grosse Sorgen machen. Zudem steigt das Risiko von Waldbränden. Im Süden Frankreichs wurde örtlich auch Ozon-Alarm ausgerufen.

20min, veröffentlicht am 17.06.2022

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